Weihnachten zuhause

2014-12-16 13.47.09

Ich hab es aus Kolkata wieder gut nach Österreich geschafft, mein Gepäck kam ein paar Tage später. Das war mir zum einen ganz recht, da mir die AUA meine schweren Taschen vor die Haustüre geliefert hat, zum anderen wurde es ein wenig stressig, weil alle Weihnachtsgeschenke drin waren.

Die Zeit in Kolkata wurde mit echt intensivem Shoppen verbracht, dann war das Abenteuer auch schon wieder vorbei und ich hab mich sehr auf zuhause gefreut. Iris hat mich vom Flughafen abgeholt, mir eine Käseplatte zusammengestellt und die Beistrichfehler in meinem Blog ausgebessert. Inzwischen hatte ich schon zwei Nachtdienste, unzählige Familienfeiern und -gelage und kann jetzt mit dem Verarbeiten der Eindrücke und Fotos beginnen.

Mich hat es gefreut, dass anscheinend doch einige meine Berichte gelesen haben. Vor allem das arme Hendl und meine überdramatische Beschreibung des „Karko Killers“, dem längsten Katarakt, haben einen Eindruck hinterlassen. Ich möchte einen großen Dank meinen Freunden auf der Expedition aussprechen und dem Team 4 Adventure. Swami und Kollegen haben die Reise ausgezeichnet vorbereitet und ich freu mich drauf, wieder mit ihnen unterwegs zu sein.

Ich denke, dass nun nach der Reihe Fotos und Videos auf Facebook veröffentlicht werden, auf der Seite von T4A gibt es schon ein paar Bilder. Pranshu wird hoffentlich bald die ersten Videos posten, ich bin schon sehr gespannt.

Mit viel Glück werd ich irgendwann wieder spannende Berichte in diesem Blog schreiben können, in nächster Zeit werd ich es aber mal ein wenig ruhiger mit kleineren Ausflügen angehen. Bis mich dann die Abenteuerlust wieder überwältigt.

Durchgewaschen

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Ich bin wieder am Trockenen, habe warm geduscht und eine Menge Momos gegessen, die Zivilisation hat uns wieder.

Mir ging es Anfang voriger Woche, so um Tag 4 am Fluss herum, nicht sonderlich gut. Ich dürfte was Falsches gegessen oder eher das falsche Wasser getrunken haben. So hatte ich einen ziemlichen Schwächeanfall, am Fluss war ich dadurch am Limit und hab zwischendurch sogar mit der Panik kämpfen müssen. Bei einem langen Katarakt haben wir recht viel Zeit mit Scouting verbracht, das hat mir ausreichend Gelegeheit gegeben, Angst aufzubauen. Ich hab zwar versucht, mir die richtige Linie zwischen den Walzen zu merken, aber einmal umgeben von den Wellenbergen verliert man schnell die Orientierung. Natürlich plumpste ich in die tiefsten Löcher, wurde ordentlich durchgewaschen und auf einmal wollte ich nur noch raus. Man kann sich vorher noch so sehr einbläuen, dass man auf keinen Fall aussteigen und schwimmen soll, lieber im Boot bewusstlos werden und irgendwann raustreiben. Trotzdem ist das Bedürfnis groß, einfach die Spritzdecke aufzureißen und rauszuschwimmen. Nur als kleiner Mensch im riesigen Fluss wird man noch mehr zum Spielball der Wassermassen, die Zeit, die man ohne Auftrieb vom Boot unter dem Wasser verbringt, kann sich um einiges vervielfachen.

Ich glaub, im Endeffekt hat mich nur ein Grund davon abgehalten auszusteigen: Schwimmen wäre wesentlich anstrengender gewesen als ein paar Eskimotier-Versuche. So bin ich aufgerollt, wollt mich sogar neu orientieren, nur hab ich gleich von der nächsten Welle eine ziemliche Watschn bekommen. So ging es dann weiter, ein paar Hundert Meter weiter. Im Kehrwasser wurde ich von einem Johlen empfangen, am Video hat es anscheinend gut ausgesehen, ich war aber erst mal nur fassungslos und konnte mich den restlichen Tag nur noch übers Flachwasser treiben lassen und Dschungel schauen.

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Von dem war auch genug zu sehen – und ich dachte, bei uns daheim ist es schon sehr grün. Leider gab es kaum Tiere, weil die Eingeborenen einfach alles jagen und essen dort. Menschen winkten uns immer öfter vom Ufer zu, manche bewarfen uns freundlich mit Orangen, andere schenkten uns sogar Fische. Unsere Wildwasserhühner ereilte natürlich auch das Schicksal. Das eine hab ich nach der ersten Etappe geschlachtet. Zum einen war es ein „mercy-kill“, denn in einem Bastkorb auf einem Wildwasserraft festgeschnallt sein ist sicher keine artgerechte Haltung, zum anderen denk ich mir, als Nicht-Vegetarier sollte ich das können. Es war echt komisch, hab eigentlich nur mehr dieses Hendl und sonst kein Fleisch mehr gegessen. Doch, gestern haben wir in einem Lokal alle Veg-Momos weggefuttert, da hab ich mir dann Chicken bestellt.
Das zweite Huhn war nach einem Flip des Equipment-Rafts verschwunden und wurde als Opfergabe an den Flussgott abgeschrieben.

Nach dem schlimmen Tag war ich kurz vorm Aufgeben, aber erst hat mich mal eine ruhige Etappe erwartet und dann fuhr ich ein ganz flaches Stück mit dem Gear-Raft mit. Also eigentlich wollte ich mich nur runterschippern lassen, aber ich hab mich dann selbst an den Rudern versucht. War eigentlich auch ganz lustig, vor allem als es dann eine Rettungsaktion in den Wellen gab und ich immerhin ein Paddel abfangen und rausfischen konnte. Der Paddler konnte sich zum Glück selbst in Sicherheit bringen, mit mir wär er aufgschmissen gewesen.

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Die Ankunft in Pasighat war sehr schön. Die Berge wurden immer niedriger, bis sie dann plötzlich ganz aufhörten. In der kleinen Alkoholikerstadt (steuerfrei, woop woop!) verlässt der Brahmaputra das Himalaya und mäandert von dort durch ganz Assam und Bangladesh. Beim Abbauen unseres letzten Strandcamps ging die Sonne über dem Fluss auf und wir fuhren schrittweise zurück in die Zivilisation. Inzwischen bin ich wieder in Kolkata, die Stadt ist noch immer chaotisch. Morgen geht es über Bombay und Paris wieder nach Hause.

Am Brahmaputra

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Die Jeep-Fahrt war lang und unbequem, nach insgesamt drei Tagen sind wir endlich in Tuting an der chinesischen Grenze angekommen. Dort waren wir in der absoluten Einöde, außer ein wenig Militär gab es dort nicht viel. Schon gar keinen Internetzugang. Das war zu erwarten, trotzdem hat mich das in einem bedenklichen Ausmaß gestört.

Fern ab von jeglicher Technik waren wir aber sicher nicht. Fünf Go-Pros, 3 Spiegelreflexkameras und eine Drohne(!!!) stellten sicher, dass unsere Kajak- und Rafting-Expedition aus allen Blickwinkeln dokumentiert wurde.

Trotzdem ging es erstmal in die Wildnis. Der Fluss, der hier Dsiang heißt, wälzt sich mit einer enormen Wucht durch dschungelbedeckte Gebirgstäler. Die ersten drei Tage verbrachten wir absolut in der Wildnis, gelegentlich sahen wir Felder und Hütten der hier ansäßigen Stammesvölker, Menschen ließen sich aber keine blicken.

Wir waren insgesamt 24 TeilnehmerInnen, sechs im Kajak, zwei Rafts voll mit Menschen und zwei mit Equipment. Die ganze Expedtition ist in eine ziemliche Materialschlacht ausgeartet, von Klo-Zelt bis zu lebendigen Hühnern war alles dabei. Zweimal mussten wir das ganze Klumpert an einer gefährlichen Stelle vorbei schleppen, da hat die mich die Menge ein bisserl anzipft. Die Leute sind eine recht bunte Mischung, die meisten Inder aus Delhi oder Bombay, dabei eben ein Film-Team, drei Kajak-Cracks von den britischen Inseln, ein älterer Italiener, der schon fast alles erlebt hat, und sogar zwei Niederösterreicherinnen haben sich in den nordöstlichsten Zipfel Indiens verirrt.

Der Fluss selbst ist der pure Wahnsinn. Alles Wasser aus ganz Tibet kommt hier durch die Schlucht runter, das enorme Volumen ist für mich etwas ganz Neues. Angeblich ist der Brahmaputra der größte kommerziell befahrene Fluss der Welt.

Die Wellen sind riesig, die Kehrwässer verhalten sich ganz anders als bei uns und bei manchen Löchern wird einem vom Reinschauen schon ganz schwindlig. Viele Kehrwässer und Prallpölster mutieren hier zu Kreisverkehren, die einen nicht mehr hinauslassen. Die gilt es tunlichst zu vermeiden.

Bis jetzt hat das gut funktioniert (Tag 3 von 7 am Fluss), wir haben gerade unser Camp beim ersten Dorf auf unserer Strecke, in Yingkiong, aufgeschlagen. Internet gibt es noch keines, aber ich werde den Text einfach ein wenig zeitverzögert hochladen.

Die Camps sind schön, wir lagern auf einsamen Sandstränden, hinterlassen die auch wieder so sauber wie wir sie angetroffen haben und verheizen jeden Abend das Schwemmholz. Vier Nächte am Fluss hab ich noch vor mir, dann beginnt eigentlich eh schon die Heimreise. Darauf freu ich mich eigentlich auch schon.

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Einhornsafari

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Nach einer wild mühsamen Reise von Darjeeling nach Kaziranga war ich in einem Disneyfilm. Einhörner, Elefanten, Zackenhirsche und Wasserbüffel teilen sich Dschungel und Savanne und alle sind Freunde. Vögel gibt es zu viele, um alle aufzuzählen – erkannt hab ich eh nur Adler, Storch und Pelikan. Doch manchmal kommt ein Tiger in die Ebene und stört den Frieden, aber in der Regel warnen dann die zahlreichen Languren in den Bäumen durch lautes Geschrei. Bei meinem Besuch im Nationalpark blieb es friedlich, den Bengalischen Tiger hab ich nur im Zoo von Darjeeling gesehen.

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Es war beeindruckend, diese großen, mächtigen, jedoch stark gefährdeten Tiere aus der Nähe und in einigermaßen natürlichem Lebensraum zu sehen. Durch Jagd, Agrarwirtschaft und Verschmutzung wurde es für manche der Tiere sehr eng. Der Nationalpark ist einer der letzten großen Rückzugsräume und der relativ hohe Eintritt hilft hoffentlich, dieses Paradies länger zu erhalten.

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Was ich auch genoss, war das zufällige und spontane Zusammentreffen mit Anto und Florence.

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Die beiden Belgier haben bis jetzt 8 Monate in Bombay gearbeitet und ziehen jetzt nach New York. Wir sind dann gleich auf gemeinsam Safari und haben den Abend bei Kingfisher und „He-Man 9000 Ultra Super Strong Beer“ ausklingen lassen.

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Klar verreise ich, um fremde Kulturen kennenzulernen, aber gerade in so Gegenden, wo wenige Ausländer unterwegs sind und sehr viel (eh wohlwollendes) Aufsehen um einen gemacht wird, ist es ganz nett, Menschen in einer ähnlichen Situation (Europäer in Indien) zu treffen und sich auszutauschen. Die beiden haben auch schon viel erlebt und noch Großes vor, uns wurde nicht langweilig miteinander. Die Feier in ihrem Hotel wurde noch recht turbulent, die Teilnehmer eines dort tagenden nordostindischen Ärztekongresses nahmen uns in ihre Mitte – und jetzt ich hab in Indien Karaoke gesungen.

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Als dann am nächsten Morgen um 4:30 der Wecker für die Elefantensafari klingelte, bereute ich die Ereignisse oder eher die Konsumationen des Vorabends ein wenig. Aber einmal am Elefantenrücken war dies vergessen und fasziniert erlebte ich, wie die Tierwelt bei Morgennebel und dann Sonnenaufgang erwachte. Mit den dicken Dingern kommt man im hohen Gras ganz nahe an die Einhörner heran und ein paar ließen sich auch ganz gnädig von uns Touristen begutachten und fotografieren. Ein besonders schöner Anblick waren die vielen Hirsche, die immer wieder im losen Morgennebel vor mir auftauchten.

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Meine Handykamera konnte diese Eindrücke natürlich nicht richtig festhalten, aber vergessen werde ich diese Stimmung nicht so schnell.

Inzwischen bin ich in Dibrugarh angekommen. Die Weiterreise war wieder sehr beschwerlich, der indische Überlandbus war so, wie man sich ihn vorstellt.

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Ausländer/Weiße sind inzwischen wirklich rar geworden und ich wurde immer wieder um Fotos gebeten oder einfach so angestarrt. Hin und wieder bat ich um ein Gegenfoto, sind ein paar ganz nette dabei.

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In Dibrugarh hab ich jetzt die ersten Teilnehmer der Expedition rund um Swami und Team 4 Adventure getroffen. Die erste Etappe hab ich hinter mir, schon viel erlebt, aber das große Abenteuer beginnt erst jetzt. Morgen fahren wir mit einer Fähre ein Stück den Brahmaputra rauf, dann erwartet uns eine lange Jeepfahrt zur chinesischen Grenze.

Darjeeling

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Plötzlich war ich in einem ganz anderen Land. Die Lage von Darjeeling zwischen Nepal, Bangladesh, Bhutan und Tibet geben der Gebirgsstadt ein ganz besonderes Flair. Sicher merkt man, dass man noch in Indien ist, aber alles hat plötzlich ganz anders ausgesehen, geschmeckt und gerochen. Und ich muss sagen, mir hat das gefallen.

Die Kulisse ist natürlich atemberaubend, Darjeeling selbst liegt auf a bissl mehr als 2000 m, aber als ich dann am Morgen den Kunchenjunga erblickte, war das wirklich atemberaubend. Ein bisschen schade fand ich dann schon, dass ich kein Trekking eingeplant hatte, hab das aber durch weiträumige Erkundungen der Stadt und Umgebung versucht zu kompensieren. Natürlich wäre ich nicht den dritthöchsten Berg der Welt angegangen, aber es hätte schon ein paar schöne Touren gegeben.

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So bin ich dann in den Bergzoo (Rote Pandas!), zum National Mountaineering Institute und mit der Seilbahn über Teefelder gegondelt. Kurz vorm Einsteigen zu lesen, dass vor ein paar Jahren ein paar Gondeln abgestürzt sind, war nicht sehr beruhigend.

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Mittwoch früh bin ich um 5:00 aufgestanden um den Sonnenaufgang zu bewundern. Das war um eine Stunde zu früh, bin aber mal in die Stadt spaziert. Bei so einer Art Panorma-Promenade waren ein paar Trainingsgeräte aufgstellt, die lokale Jugend war schon fleißig am Trainieren. Ich hab mich ein wenig beteiligt, aber ich weiß nicht ob ich schon die Höhenluft gespürt hab oder ich echt schlecht beinand bin. Mir ist ganz schön die Puste ausgegangen.

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Der Sonnenaufgang war aber schön, der Kunchenjunga wurde so bunt ausgeleuchtet, dass ich mir wieder mal eine bessere Kamera gewünscht hätte.

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Darjeeling war vor allem im Vergleich zu Kolkata kurz davor echt entspannend, ich mochte das Dachrestaurant in meinem Hotel Aliment besonders gern. Die tibetische Nudelsuppe war zum Niederknien, ich hab täglich mindestens eine gegessen.

Naja, die Weiterreise war nicht so leiwand. Nach dem abendlichen Durchschütteln im Jeep von den Bergen runter war ich um 22:00 am Bahnhof. Rechtzeitig für meinen Zug um Mitternacht. Denkste, der Zug war schließlich um 4:35 in der Früh da, das Warten war anstrengend und eine hilfreiche Antwort zu bekommen auch nicht einfach.

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Natürlich kam ich dann viel zu spät in Guwahati an, von dort hätte ich einen Bus nach Kaziranga nehmen wollen. Die Busse tagsüber waren aber schon alle weg, mit dem abendlichen wäre ich um 2:00 Früh angekommen. Um das zu vermeiden bleib ich eine Nacht in Guwahati, ist auch eine etwas stressigere Stadt. Mein Internet von meiner mühsam erkämpften SIM-Karte hat sich leider vertschüsst und ich werd jetzt dann zum 7.(!) Mal zum Vodafone-Store schauen. Ihr werdet den Beitrag eh nur lesen wenn ich es geschafft habe.

Ich versuch grad bei einer Tasse guten Kaffee zu entspannen, zu meinem Beschämen freu ich mich grad über Katy Perry in der Beschallung und die Klimaanlage. Immerhin erinnern mich die Mosquitos, dass ich noch in Indien bin.

Richtung Berge

Den Lauf hab ich überlebt, der ganze Smog hat aber die mickrigen 5 km länger scheinen lassen.

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Meinen vorerst letzten Tag in Kolkata hab ich noch mal genutzt um kreuz und quer durch die Stadt zu fahren, das „motherhouse“ hab ich zuerst besucht. Dort, am Grab von Mutter Teresa, war trotz dem Hupen und Geschrei von der Straße plötzlich ein stiller Ort, man hat gespürt wieviel Energie von dort ausgeht.

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Sr. Ruth Sheela hat sich viel Zeit für mich genommen um über Kirche, Glaube und Seelenheil zu reden. Sie hat mich auch erinnert, dass der Advent begonnen hat, ich hätte beinahe auf meinen Reiseadventkalender im Rucksack vergessen!

Am Sonntag war in der Stadt außerdem eine Rally der Bharatiya Janata Party (BJP), 1. Mai a Schas dagegen. Die Massen, die auf den Maidan geströmt sind, waren unvorstellbar, zur Kundgebung selbst war ich leider zu spät. Aber das Verkehrsmittel teilen mit den Anhängern der Premierminister-Partei war schon stressig und gefährlich genug.

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Das ist ein Schiff. Auf dem ich mich befand. Und ich hab gespürt wie es sich immer mehr zur Seite geneigt hat. Meine Adrenalin-Ausschüttung rennt auf der Reise auf Hochtouren.

Abends ging es dann mit dem Darjeeling Mail Richtung Norden, mit satter Verspätung kam ich in New Jalpaiguri Junction an. Die drückende Hitze enttäuschte mich ziemlich, ich hatte kühleres Wetter „in den Bergen“ erwartet. Aber NJP liegt am Rand der Himalayas, die gehen hinter der Stadt Siliguri ziemlich grad nach oben.

Am Bahnhof stürzten sich gleich mal ein Haufen Taxler auf mich und die anderen Neuankömmlinge, beinahe alle wollten nach Darjeeling.

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Die mir angebotenen Preise bewegten sich zwischen 100 und 1300 Rs. Wobei die Qualität bzw. die Existenz des Sitzplatzes sehr vom Bezahlten abhängen, für 100 Rs kriegst eine halbe Arschbacke, für 1300 einen Jeep für dich allein.
Für 200 Rs bekam ich einen „Doppel“sitz nach Kurseong, einem kleinen Städtchen in den Ausläufern der Himalayas.

Dort gab es den eigentlichen Grund für meinen Abstecher nach Darjeeling: Die Darjeeling Himalayan Railway! Auch liebevoll „Toy Train“ genannt, fährt sie nach massiven Murenabgängen nur mehr von Kurseoung nach DJ, braucht aber eh stolze 3 Stunden für die 30 km.

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Und Darjeeling ist super. Von hier werd ich später noch mal schreiben, jetzt verabschied ich mich mit ein paar Bildern, die zeigen, warum ich es hier so super find.

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Akklimatisiert

Nachdem der erste Tag ein wenig gebremst gelaufen ist hab ich heute so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wie ich anfangen soll. Ich sollte mich nur mit dem Schreiben beeilen, irgendwie ists passiert dass ich morgen früh um halb Sieben beim „Run for Education“ mitlauf. Hätt ich mir auch nicht gedacht.

Heute bin ich viel auf gut Glück rumgefahren, nach dem Prinzip „egal wo der Bus hinfährt, ich war dort sicher noch nicht und wahrscheinlich ist es spannend“. Das hat außerordentlich gut funktioniert, hab dabei auch gut gegessen (in Chinatown), viel gekuschelt (im Bus) und erlebt (überall). Irgendwann bin ich nach Hoowrah rüber gekommen, von dort ging eine Fähre über den gleichnamigen Fluss.

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Am Abend bin ich noch mit der S-Bahn irgendwohin, dort gab es zum Glück einen Prepaid-Taxistand. Die werten Taxler haben hier nämlich die Angewohnheit Touristen nach Strich und Faden auszunehmen. Die Heimreise wäre dann etwas teurer geworden. Andererseits fällt es mir in solchen Situationen immer leichter umzurechnen und zu realisieren, dass ich mich bei der „Abzocke“ um Cent-Beträge ärgere.

Das mit dem Geld ist hier eh so eine Sache: Man muss ständig Massen rumschleppen.

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Du brauchst eine Menge an 10 Rs (Rupees) Scheinen, für Tickets, Straßenessen, Ramsch und so. Das sind nicht ganz 13 Cent. Wenn man sich mal irgendwas „Normales“ kaufen will, braucht man schnell mal die 1000er (eben nicht ganz 13 €), aber jeder Straßenbahnschaffner kriegt dann große Augen wenn man den falschen Schein auspackt und schmeißt einen sogar raus (ich hatte nur einen 500er).

Ja, und als ich mich heute in der größten Mall Indiens rumgetrieben hab, gab es überall Registrierungstische für einen Benefizlauf Sonntag früh. Da es ein T-Shirt im Starter-kit gab, hab ich mich angemeldet und hoffe, dass ich die 5 km morgen schaff. Dazu sollte ich jetzt ins Bett gehen, bin schon ziemlich geschafft. Hätte mir wirklich fast Zahnpasta statt Moskito-Creme auf die Unterarme geschmiert, was aber bei diesen Verpackungen auch kein Wunder ist.

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Kolkata

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Kolkata – a bissl genuschelt ausgesprochen – ist Wahnsinn. Ein Freund, der die Stadt kennt, hat leicht schmunzelnd gemeint, ich soll mich auf was gefasst machen. Als ich dann gemeint hab, ich war eh schon in Madras und Bombay, ich kenn solche Städte, da hat er dann richtig gelacht.

Nicht zu Unrecht. Ich glaub, ich hatte gestern zum ersten Mal seit Tijuana 2008 einen richtigen Kulturschock. Bemerkt hab ich es in einem der vielen kleinen Bazarviertel. Bei Brechreiz, Beunruhigungsgefühl und Fluchtinstinkt hab ich beschlossen, doch nicht mehr in die dunkelsten und am dichtesten mit Menschen befüllten Seitengassen abzubiegen. Zum Glück hab ich mich dann in eine ruhige Wohngegend verirrt, dort war es richtig schön. Könnt mir vorstellen, wenn die Stadtentwicklung hier nicht immer nur drüberbetonieren würde, dann würde sich draus das schönste Bobo-Viertel gentrifizieren.

So hab ich heute in der Zeitung gelesen, dass sie einen Stadtteil dort für den U-Bahnbau abreißen werden. Die braucht es auch, der Verkehr hier ist das schlimmste. Autos (Rikshas), Taxis, Busse, Lastwagen, alle hupen, stinken, ständig hängt eine Smog-Glocke über der Stadt. Lange wurde nur versucht durch breitere Straßen, Fly-overs und Tunnel dem Chaos Herr zu werden, wie ein Wunder hat sich in Kalkutta die einzige Straßenbahn Indiens erhalten. Die zuckelt aber gemütlich durch die Gegend und hat ungefähr so viel Verkehrswert wie der Cable Car in San Francisco – wenig. Als Schildbürgerstreich ist noch dazu das Radfahren tagsüber verboten. Obwohl das bei dem jetzigen Verkehr und der Art, wie die Straße genützt wird, wirklich Selbstmord wär.

Ich bin noch bis morgen (Sonntag) hier, dann geht’s mit dem Darjeeling Mail nach – ratet mal – New Jalpaiguri! Nach Darjeeling geht wegen einem riesigen Erdrutsch derzeit kein Zug, deswegen muss ich dort in ein Sammeltaxi bis Kurseong umsteigen und von dort erwisch ich dann hoffentlich den berühmten Toy Train in die Gebirgsstadt.

Zuhause

2013-04-19 10.20.45Ich habs nach Hause geschafft. Die letzten Tage habe ich nicht schreiben wollen, in Bangalore war ich doch endlich mal krank, in Mumbai einfach nicht mehr motiviert. In Bangalore konnte ich vor der Erkrankung noch einige alte Freunde wieder treffen. Es war seltsam und schön, zu sehen wie sich die Leute verändert haben und wie doch alles noch vertraut war. Die ganze Reise über habe ich mir gedacht, dass Indien sich so zum positiven verändert hat, alles war schöner als ich es von meiner ersten Reise in Erinnerung hatte. Ayesha meinte, Indien habe sich gar nicht verändert, ich war aber ein „complaining little brat“ bei meinem Besuch vor sechs Jahren.

In Mumbai hat es mir auch nicht besser gefallen als in der Woche davor. Ich war noch ein wenig krank, erschöpft und hatte mit der Reise in Bangalore eigentlich schon abgeschlossen. So nutzte ich die Zeit, um mich zu erholen, Haare schneiden, Zahnarzt, sogar Pediküre, lauter Sachen, die es dort in hervorragender Qualität gibt, aber ein echtes Schnäppchen für uns sind. Ich hätte mir niemals gedacht, dass ich mich wo tätowieren lass, wo ein Hakenkreuz über der Tür hängt.

2013-04-24 17.20.24Der Flug nach Kairo war unspektakulär, so wie mein Aufenthalt dort. Bei der Buchung dachte ich mir, es sei eine gute Idee einen Tag Aufenthalt in Ägypten einzuplanen, dort wollte ich aber nur noch nach Hause. Die Airline ließ mich aber nicht früher nach Wien, zahlte mir aber ein Zimmer in einem sehr schönen Hotel. Den Zauber Ägyptens muss ich aber ein anderes Mal für mich entdecken, an dem Tag reichte mir das Pool im Hotel.

Ja, und hier muss ich sagen gefällt es mir schon sehr. Wien ist so schön, sauber und sicher, ich fühle mich gerade sehr wohl. Das heißt nicht, dass mir meine Reise nicht gefallen hat, es war ein wundervolles Abenteuer, das ich nie vergessen möchte. Aber so gerne ich auch fortfahre, ich komme auch wirklich gerne wieder.

Ich hab mich sehr gefreut, dass so viele meine Berichte lesen wollte und es war immer wieder schön eure Kommentare und Nachrichten zu hören.

Kabhi Khushi Kabhie Gham

2013-04-14 17.00.20Ja, das ging schnell. Kaum war ich in Mumbai angekommen, da hatte ich auch schon die Nummer von einem Casting-Agenten und am Tag darauf einen Termin. Es wurden Statisten für eine riesige Bollywood-Produktion gesucht, am Bahnhof Mumbai Chhatrapati Shivaji Terminus (ich sag lieber CST) wurden ein paar Szenen gedreht, deren Sinn sich mir nicht ganz eröffnete. Prinzipiell, der Gedanke, dass ich Teil eines großen Bollywood-Films sein werde, der war großartig. Es war dann aber ziemlich ernüchternd, kein Tanzen, kein Singen, ich musste hauptsächlich warten. Ich bekam nicht mal ein Kostüm, ich war einfach ein westlicher Zugreisender, der im Hintergrund auf und ab lief. Dieser Tag beim Film war die langweiligste coole Sache, die ich auf dieser Reise erlebte. Der Film ist von/mit Aamir Khan, heißt momentan „P. K.“ und wird vermutlich 2014 veröffentlicht. Fotos vom Set durfte ich nicht machen, falls ich solche haben sollte würde ich die natürlich nicht online veröffentlichen.

2013-04-15 16.36.25Tja, da war ich nun, in einer der größten Städte der Welt. Sechs Tage habe ich mir Zeit genommen, um Bollywood möglich zu machen. Nachdem das am zweiten Tag erledigt war, wollte ich eigentlich nimmer in der riesigen, heißen, schwülen Stadt bleiben. Das große Dharavi-Slum wollte ich noch besuchen, dafür fand ich eine NGO, die Führungen und vor allem auch Hintergründe dieses Stadtteils offerierte. Ich war positiv überrascht. Gentrifizierung macht auch vor Slums keinen Halt, aber nicht nur mittels der Verdrängung der Bewohner von zuvor. Die Wirtschaft floriert in Dharavi, vor allem die Recycling-Sparte erfüllt eine wichtige Funktion in der Region. Die Einkommen steigen, die Sanitärbedigungen und Bildungsmöglichkeiten verbessern sich und die Kriminalität geht zurück. Ich möchte nicht alles schön schreiben, es gibt Hygiene-Bedingungen zum Speiben, Sicherheit hat am Arbeitsplatz keinen Stellenwert und auch religiöse Konflikte sind nach den großen Ausschreitungen in den 90ern noch immer spürbar. Mich beeindruckte vor allem der Zusammenhalt in den Vierteln und die Ressourcenverwertung, auf meiner Facebookseite wurde eine erbitterte Diskussion um die Nachhaltigkeit dieser Lebensweise geführt. Ich denke ich werd nächste Woche vor meinem Abflug nochmal auf eigene Faust hinschauen und ein wenig auf Erkundungstour gehen. Ich fühlte mich sehr sicher dort, vor allem, da es weniger motorisierten Individualverkehr im Viertel gibt.

2013-04-16 11.17.58Aber dann hatte die Stadt ihren Reiz endgültig ausgeschöpft, ich wollte raus. Mit viel Glück bekam ich noch Tickets für den Nachtzug nach Goa. Eigentlich wollte ich dort nicht hin, der Ruf, der der Gegend vorauseilte erinnerte mich ein wenig an Mallorca. Aber ich hörte dann von einem Strand, der anders sei als die anderen. Das ist zwar furchtbar abgedroschen, aber so war es dann auch. In Agonda gab es einen riesigen, einsamen Sandstrand, keinen Müll, keine Keiler, es war wunderschön. Natürlich gab es auch dort Touristen und zum Glück auch die notwendige Infrastruktur wie Hütten und ausgezeichnete Restaurants, aber es war ruhig und überschaulich. Vor allem, als ich mir dann noch ein Kayak ausborgte und die Küste rauf zu einer wirklich einsamen Bucht paddelte. Leider hatte ich nur zwei Tage, aber ich genoß sie in vollen Zügen.

Jetzt bin ich in Bangalore. Vor sechs Jahren war ich bereits hier, bin gespannt wieviel sich verändert hat. Ab Sonntag gehts auch mehr oder weniger zurück in die Heimat, mit Aufenthalten in Mumbai und Kairo komme ich nach Hause, Inshallah. Ich freu mich schon.